Themenabend – Geopolitische Entwicklungen für Europa, die Schweiz und Liechtenstein
Die Welt befindet sich in einer tiefgreifenden Umbruchphase – politisch, wirtschaftlich und technologisch. Alte Gewissheiten verlieren an Bedeutung, während neue Machtverhältnisse entstehen. Was bedeutet das für Europa, die Schweiz und Liechtenstein?
Am Montag, 23. März, widmete sich ein Themenabend der Stiftung für Staatsrecht und Ordnungspolitik (SOuS) an der Privaten Universität Liechtenstein (UFL) in Triesen diesen Fragen. Der Saal war gut gefüllt, das Publikum aufmerksam und diskussionsfreudig. Stiftungsratspräsident Johannes Matt eröffnete den Abend und stellte den Referenten S.D. Prinz Michael von und zu Liechtenstein sowie die Moderatorin Carmen Dahl vor.

Im Zentrum stand das Referat von Prinz Michael zum Thema «Geopolitische Entwicklungen für Europa, die Schweiz und Liechtenstein». Seine zentrale These: Die regelbasierte Weltordnung sei eine Illusion gewesen, die nur so lange funktionierte, wie einzelne dominante Mächte sie durchsetzen konnten. Der Glaube an eine sich weltweit durchsetzende Demokratie und an dauerhaften Frieden hat sich nicht bewahrheitet. Vielmehr befindet sich die Welt heute in einer der grössten Umbruchphasen seit dem Übergang vom Mittelalter zur Renaissance. Damals wie heute führen tiefgreifende Veränderungen – technologische Innovationen, neue Denkweisen und globale Vernetzung – zu einer grundlegenden Neuordnung.
Besonders prägend für die aktuelle Entwicklung sind zwei Faktoren: der rasante technologische Wandel sowie eine demografische Veränderung historischen Ausmasses. Erstmals in der Geschichte wächst die Weltbevölkerung nicht mehr kontinuierlich, sondern geht in vielen Regionen zurück. Dies stellt bestehende wirtschaftliche Modelle grundlegend infrage.
Auch einfache Deutungsmuster, etwa der Gegensatz zwischen Demokratien und Autokratien, greifen laut Prinz Michael zu kurz. Neben diesen Blöcken gewinnen andere Weltregionen zunehmend an wirtschaftlicher und politischer Bedeutung. Als zentrale Herausforderungen nannte er die demografische Entwicklung, die hohe Verschuldung vieler Staaten sowie ein schwindendes Selbstvertrauen im Westen. Gleichzeitig verändert sich die internationale Zusammenarbeit: Die USA verfolgen zunehmend eine bilaterale und transaktionale Politik und bereiten sich strategisch auf einen möglichen Konflikt mit China im Pazifik vor. In diesem Zusammenhang verwies Prinz Michael auf technologische Schlüsselbereiche, insbesondere die globale Chipproduktion. Initiativen wie die sogenannte «Pax Silica» verdeutlichen, wie wichtig der Zugang zu Hochtechnologie und Energie geworden ist. Die Spannungen zwischen den USA und China – insbesondere im Hinblick auf Taiwan – bleiben dabei ein entscheidender Faktor.
Ein oft unterschätzter Faktor ist Afrika. Als wachsender Kontinent mit starkem Bevölkerungswachstum bietet er erhebliches wirtschaftliches Potenzial. Europa muss hier verstärkt auf wirtschaftliche Zusammenarbeit setzen, statt sich durch Regulierungen selbst zu blockieren.
Kritisch äusserte sich Prinz Michael auch zur Wettbewerbsfähigkeit Europas. Protektionismus und übermässige Regulierung haben Innovation gebremst. Gleichzeitig hat Europa sowohl im wirtschaftlichen Wettbewerb als auch in Verteidigungsfragen an Dynamik verloren.
Die Konfliktformen der Zukunft werden sich zudem verändern: Neben klassischen militärischen Auseinandersetzungen gewinnen wirtschaftliche, digitale und geopolitische Räume wie der Cyberspace oder die Arktis zunehmend an Bedeutung.
Trotz aller Herausforderungen betonte Prinz Michael auch die Chancen: Europa verfügt über starke Grundlagen, muss jedoch seine Wettbewerbsfähigkeit gezielt stärken. Für kleinere Staaten wie Liechtenstein gilt es, flexibel zu bleiben, sich anzupassen und gezielt eigene Stärken einzubringen.
Besondere Bedeutung kommt dabei der digitalen Souveränität, stabilen Lieferketten sowie der Förderung von Innovation zu. Gerade im Finanzbereich muss darauf geachtet werden, neue Technologien zu nutzen, ohne sich durch übermässige Regulierung selbst einzuschränken.
Im anschliessenden Gespräch mit Moderatorin Carmen Dahl wurden zentrale Fragen vertieft – etwa zur Abhängigkeit von globalen Lieferketten, zur Rolle Europas im internationalen Kontext sowie zu den Chancen und Risiken kleiner Staaten. Dabei wurde deutlich, dass Länder wie Liechtenstein und die Schweiz sowohl von ihrer Flexibilität profitieren als auch in hohem Mass von internationalen Entwicklungen abhängig bleiben.
In seinen Schlussworten dankte Stiftungsratspräsident Johannes Matt dem Referenten sowie den Gästen und lud zum anschliessenden Apéro ein. Der Abend klang bei angeregten Gesprächen aus.



